Lettre 6: d’Anne à son fils, Rudolf, 30 juin 1919

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Contenu historique de la lettre:

  • le mythe de la légende du coup de poignard dans le dos
  • l’antisémitisme qui se développe
  • la rancoeur de la population allemande contre le régime de Weimar
  •  la guerre civile qui éclate entre l’extrême-droite et l’extrême-gauche
  • les difficiles conditions de vie pour les civils: inflation, pénurie, manque de travail…
  • l’humiliation du « Diktat » de Versailles et ses conséquences

Lendringsen, Montag den 30. Juni 1919

Lieber Sohn,

Ich bin sehr froh, dass Du mir Neuheiten zu geben hast. Dein Vater ist verbittert und von dem Kampf geschockt. Er hat den Eindruck, umsonst gekämpft zu haben… Er ist gegen die Republikaner sehr aufgewühlt, die den Waffenstillstand unterschrieben haben, und gegen die Juden, weil sie uns verraten haben und wir deshalb den Krieg verloren haben. Nach der Flucht von Kaiser Wilhelm II. in die Niederlande  am 9. November 1918 wurde die Weimarer Republik von den demokratischen Sozialisten, Philipp Scheidemann und Friedrich Ebert ausgerufen, der Waffenstillstand unterschrieben und die deutsche Niederlage am 11. November 1918 verkündet, worüber die Armee und die Autorität  nicht sprechen wollen. Die Welle von Meutereien fing bei den Seeleuten an, um sich dann bei der Armee und bei der Bevölkerung weiter zu verbreiten. Aber jetzt ist die Situation in Deutschland sehr schwierig! Alles ist sehr teuer nach dem Mangel der Nachkriegszeit. Die lebenswichtigen Produkte, vor allem die Nahrung haben sehr hohe Preise! (Brot, Fleisch …). Und wir haben viele Schwierigkeiten, alles zu bezahlen, weil dein Vater seine linke Hand im Kampf verloren hat und wegen dieser Verkrüppelung keine Arbeit findet. Trotzdem geht es Deinem Vater einigermaßen gut aber er denkt immer wieder daran,  was er im Krieg erlitten hat aber er ist vor allem sehr frustriert, für die Bedürfnisse unserer Familie nicht aufkommen zu können aber er ist nicht daran schuld… Fast hätte ich es vergessen ! Dein Papa wurde mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet. Diese Niederlage ist für uns eine Katastrophe. Dein Vater ist davon überzeugt, dass die republikanischen jüdischen Politiker uns verraten haben. Das hat schwere Folgen in unserem Land : wir erleben einen bedeutenden Aufstieg des Antisemitismus. Ein Bürgerkrieg bedroht unser Land zwischen der linksextremen Seite mit den Spartakisten und der rechtsextremen Seite mit dem Freikorps. Dein Vater möchte dem Freikorps beitreten, um den Kampf gegen die neue Republik und die Juden fortzusetzen, die an der Macht sind…  Und der 28. Juni 1919 war eine sehr groBe Demütigung für uns, weil der Versailler Vertrag uns vieler Gebiete in unserem Land und unseres ganzen Kolonialreiches beraubt hat, um sie den Franzosen und besonders den Briten zu schenken. Die Anzahl der deutschen Soldaten wird gekürzt und zum großen Teil entwaffnet. Wir sind für den Krieg als Einzige Verantwortliche erklärt worden und wir sollen zu einer enormen Kriegsentschädigung verpflichtet worden, um die Reparaturen der in Belgien und in Frankreich begangenen Schäden zu bezahlen.

Du kannst gern in Frankreich bleiben, die Situation hier ist sehr prekär und es ist mir lieber, wenn du in besseren Bedingungen lebst und wenn du glücklich bist, selbst wenn ich dich sehr vermisse und sehr oft an dich denke. Lass von dir hören, ich kann deine Briefe kaum erwarten. Bis bald mein innig geliebter Sohn.

Mama.

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